Gummersbach, den 02.02.2011 von MM-Redaktion

Wenn ihr keinen Gepäcktransport habt und alles was ihr braucht mit auf den Wanderritt nehmen müsst, solltet ihr euch genau überlegen was ihr mitnehmen wollt. Denn auch für die Pferde sind 10kg mehr oder weniger bei Wanderritten ein Unterschied. Packt einfach einmal alles was ich mitnehmen wollt in einen großen Rucksack, setzt ihn auf und stellt euch vor ihr müsstest einen solchen Rucksack den ganzen Tag herum tragen.

Noch ein paar Regeln für das Packen:

  • Kräftige Pferde erhalten schweres Gepäck und schwere Reiter erhalten leichteres Gepäck.
  • Das Gewicht sollte rechts und links etwa gleich schwer sein.
  • Grundsätzlich schwere Sachen nach unten und leichte Sachen nach oben packen.
  • Harte und kantige Gegenstände sollten nach außen, also vom Pferd weg verpackt werden.
  • Und zu guter Letzt hat sich das Einpacken aller Sachen in Plastiktüten immer wieder als gut erwiesen, damit diese nicht ausversehen nass werden. Das solltet ihr auch machen, wenn die Packtaschen wasserdicht sind, denn es kann immer mal passieren das Wasser durch irgendein Verschluss oder ein Loch in die Taschen kommt. Und wer möchte schon nach einem Regentag auch noch die Ersatzklamotten nass haben.

… für das Pferd:

Sattel Ein bequemer Sattel für Reiter und Pferd ist das A und O für einen Wanderritt, je nach Pferd und Wanderreitgelände sind auch Vorderzeug bzw. Schweifriemen empfehlenswert. Von Vorteil ist auch immer ein Sattel mit vielen Ösen und Riemen zur Befestigung der Satteltaschen und des restlichen Gepäcks.
Sattelunterlage Die Sattelunterlage sollte so groß sein, dass die hinteren Satteltaschen nicht direkt auf dem Fell aufliegen, und eine dicke Unterlage verringert die Gefahr von Druckstellung und Reibung.
Eine gute Lösung ist beim Wanderreiten immer ein Woillach (mehrfach gefaltete Armeedecken), da er beim Wanderreiten sowohl als Satteldecke als auch als Pferdedecke eingesetzt werden kann.
Zäumung Die Art der Zäumung ist jedem selbst überlassen. Eine gute Möglichkeit sind sicherlich auch die Wanderreittrensen, eine Kombination aus Trensen und Halfter. Vergesst nicht den Fliegenschutz in Form von Fliegenfransen und evtl. noch einem zusätzlichen Ohrenschutz.
Auch ein Ersatzzügel ist ebenso sinnvoll wie ein paar Steigbügelriemen, wenn mal etwas kaputt geht.
Halfter & Strick Ein Pferd sollte niemals an der Trense und Zügel angebunden werden, sondern immer am Halfter. Auch solltet Ihr darauf achten wo ihr euer Pferd anbindet und nicht an beweglichen Gegenständen anbinden. Was als beweglich ist hängt sicherlich immer vom Pferd ab, aber wir haben schon neugierige Haflinger mit einer kompletten Wagenachse um den Hals durch die Gegend laufen sehen (An dieser Stelle sei gesagt, es geht doch nichts über gelassene Blondinen).
Satteltaschen Für hinten empfehlen sich große Satteltaschen und evtl. noch eine sogenannte Banane, die hinten quer am Sattel befestigt. Kleine Satteltaschen für vorne sind die ideale Ergänzung, die bei einer kurzen Rast abgemacht und mit Geld & Papieren mitgenommen werden kann.
Riemen Zur Befestigung von Schlafsäcken, Regenmänteln, Jacken oder ähnlichem hinter dem Sattel solltet Ihr immer ein Paare Riemen oder Spanngurte dabei haben. Ebenfalls zum Befestigen von allem Möglichen oder als Hilfsmittel für vieles mehr sind ein paar Sporenriemen aus Nylon zu empfehlen.
Hufschutz Fest steht die Belastung der Hufe ist auf einem Wanderritt groß - wechselnde Untergründe, längere Asphaltstrecken,… -  und so ist ein Hufschutz unumgänglich. Wer sein Pferd nicht beschlagen will, kann auf Hufschuhe ausweichen. Diese sollten auf jeden Fall vorher getestet werden und vergesst nicht die Ersatzteile falls mal etwas kaputt geht. Der Hufbeschlag (egal ob Eisen oder Kunststoff) sollte nicht gerade am Vortag zum Ritt erneuert werden, aber die Anforderungen eines Wanderrittes sind auch bei Beschlag hoch und der Beschlag sollte entsprechend gut und fest sein.
Futter Kraftfutter ist für ein Pferd auf einem Wanderritt unersetzlich, die meisten Wanderreitstationen bieten es mit an. Allerdings solltet Ihr das vorher mit den Stationen abklären, unbekanntes Kraftfutter birgt auch immer die Gefahr einer allergischen Reaktion. Aus persönlicher Erfahrung können wir nur dazu raten, nachdem wir einmal auf einer Tour den Tierarzt rufen durften, weil unseren Blondinen auf Grund des Roggen im Kraftfutters voller Pusteln morgens auf der Wiese standen.

… für den Reiter:

Regenschutz Regenschutz, das gilt auch für das Schuhwerk. Auch hier ist ein vorheriger Test eine gute Idee, denn ein 4-6 stündiger Wanderritt im Regen kann durchaus für so manchen Regenschutz und Schuhwerk auf die Probe stellen. Optimal ist ein langer Regenponcho oder Mantel, der nicht nur den Reiter sondern auch Pferd, Sattel und Gepäck großflächig schützt.
Kopfschutz Während ein Reithelm gegen Kopfverletzungen und Sonnenstich schützt, hilft ein breitkrempiger Hut nur gegen Sonne und Regen. Gerade bei Brillenträgern hat die breite Krempe bei Regen oft einige Vorteile gegenüber einem Reithelm, das gleiche gilt wenn der Reithelm viele Löcher für eine gute Lüftung und geringeres Gewicht hat.
Schuhe Das Thema wasserfest hatten wir ja schon, ansonsten sind feste und knöchelhohe  Reitschuhe optimal zum Wanderreiten. Ihr solltet auf jeden Fall mit den Schuhen ohne Probleme im unwegsamen Gelände auch für einige Zeit gut laufen können. Nicht nur das euer Pferd nach einiger Zeit auch froh ist einmal nicht euer Gewicht zu tragen, euer Hintern wird es auch sein.
Kleidung Wie so oft empfiehlt sich auch hier das Zwiebelsystem, so könnt ihr je nach Wetter eine Kleidungslage aus oder anziehen. Außerdem ist eine Jacke oder Weste mit vielen Taschen von Vorteil, z.B.: mit einer Innentaschen für das Handy.
Trinkflasche & Getränke Eine Trinkflasche ist immer Pflicht. Wenn man des Öfteren auf einen Wanderritt geht oder gehen will lohnt sich durchaus die Anschaffung einer Metalltrinkflasche (z.B.: Sigg), da sie garantiert dicht ist und wesentlich mehr aushält.
Isotonische Getränkepulver oder -tabletten lassen sich gut transportieren, sorgen für etwas Geschmack im Getränk und ersetzen neben der verlorenen Flüssigkeit sondern auch die notwendigen Mineralien und Spurenelemente.
Essen Auch wenn man eine Pause in einem Rasthof geplant hat, sollte man immer einen kleinen Snack für den Hunger zwischendurch dabei haben.  Ein Gasthof ist nicht immer da wo man ihn gerne hätte und der wöchentliche Ruhetag wahrscheinlich genau wenn dort etwas essen will. Wir haben es tatsächlich schon geschafft bei einem knapp 7 stündigen Tagesritt nicht einen geöffneten Rasthof zu finden (Ruhetag, Mittagsgeschäft vorbei, nur Abends geöffnet,…).
Gut geeignet sind alle Lebensmittel die nicht zerdrückt werden können oder schmelzen, z.B.: Müsliriegel, Mini-Salami, Studentenfutter, Trockenobst. Aber auch euer Pferd dürfte sich über einen kleinen Snack in Form einer Möhre oder einem Leckerli freuen.


Allgemeine Ausrüstung

Karte/
Kompass/
GPS
Absolute Pflicht ist eine Topographische Karte des Gebietes im Maßstab 1:25.000 oder 1:50.000. Eine Kartetasche ist stets ein sinnvolle Ergänzung, damit man auch bei Regen keine Probleme mit dem Kartenlesen hat.

Zusätzlich zur Karte ist ein Kompass sehr zu empfehlen. Gerade in großen geschlossenen Waldgebieten ist ein Kompass eine große Unterstützung bei der Einnordung der Karte und der Festlegung der Marschroute.
Einen Kompass können wir nur empfehlen, seit wir einmal geschlagene 2 Stunden durch den Dünnwald bei Leverkusen geirrt sind. Im Dünnwald herrscht Reitwegepflicht – wirklich hervorragende weiche Sandwege – leider hatten wir allerdings keine Karte mit den Reitwegen. Also auf in den ersten Reitweg der ungefähr in die richtige Richtung führt. Aber drei oder vier Biegungen weiter,  wenn der Reitweg den nächsten Wanderweg kreuzt, wo sind wir jetzt? Die Wanderwege sind zwar auf der Karte eingezeichnet, aber die Reitwege leider nicht. Mit einem Kompass weiß man wenigstens ob die Richtung stimmt und wie rum man die Karte halten muss.

Eine andere Möglichkeit immer zu wissen wo man ist und wohin man reiten muss ist ein GPS-System. Allerdings sollte man auch hier immer eine Karte in Reserve haben, wer weiß wann die Technik dann doch mal streikt.
Verbandskasten
und Apotheke
für Mensch und Pferd
Für den Reiter: Isodecke, Plaster, Leukoplast, 2 Mullbinden, 2 sterile Kompressen oder 2 Verbandpäckchen, Pinzette, Einweghandschuhe, Kopfschmerztabletten, Kohletabletten
Für die Pferde: Desinfektionsmittel (Blauspray) , Hautregeneration bei kleineren Wunden, Verbandswatte, 2 große Kompressen,  2 selbstklebende Binden, Schere, elektrisches Fieberthermometer, Zeckenzange
Insektenschutz
für Reiter und Pferd
Neben Fliegenmasken sollte auch immer ausreichend Fliegenspray für die Pferde mit genommen werden. Wichtig hierbei eine dichtverschlossene und bruchsichere Flasche, sonst besteht die Gefahr das nachher das gesamte Gepäck nach Fliegenspray riecht.

Aber auch der Insektenschutz für den Reiter sollte man nicht vergessen, denn die meisten Pferdebremsen und Mücken mögen auch das Menschblut.
Hufkratzer/
Putzzeug
Hufkratzer, Striegel und Bürste gehören in jedes Wanderreitgepäck. Hufkratzer zum Säubern der Huf und zum Entfernen von evtl. eingetretenen Steinen. Mit Striegel und Bürste sollte die Sattellage stets gut gesäubert werden, damit es nicht zu Scheuerstellen kommt. Aber auch Schwamm zum Abwaschen der Sattellage oder kühlen der Beine ist keine schlechte Idee.
Tränke- und Futtereimer Faltbare Tränke- und Futtereimer sind immer zu empfehlen. Ihr solltet sie vorher auch einmal ausprobieren, damit das Pferd nicht erst auf dem Wanderritt diese neue Erfahrung macht.
Equidenpass Der Equidenpass muss nicht zwangsweise auf einen Wanderritt mit genommen werden, allerdings gilt die sogenannte „Drei-Stunden-Regel“, das heißt er muss auf Anforderung innerhalb von 3 Stunden verfügbar sein.
Geld & Papier
Geldbeutel, Bankkarte, Ausweis
Handy/
Ladegerät
Ein Handy ist für die meisten heute schon selbstverständlich, allerdings solltet Ihr die entsprechenden Notrufnummer (Tierarzt, Notarzt, Schmied, Abholdienst) nicht vergessen. Auch die Telefonnummer und Kontakte aller geplanten Quartiere solltet ihr immer parat haben.
Kosmetik-/
Waschartikel
(Zahnbürste, -pasta, Seife, Bürste, Handtuch, Labello, Sonnencreme,…) Bei Kosmetikartikel von Seife über Zahnpasta bis zum Haargel gibt es mittlerweile in jeder Drogerie kleine Tuben und Fläschchen.
LED-Lampe Moderne LED-Lampen sind kompakt, leuchtstark und energiesparend. Als Stirnlampe bieten sie zusätzlich noch den Vorteil, dass die Hände frei sind.
Sonstige Hilfsmittel Taschentücher, Plastiktüten (für Abfall, dreckige Wäsche, …), Reisenähzeug, Taschenmesser oder Multitool, Feuerzeug/Streichhölzer,  Stift und Papier, Sicherheitsnadeln

Zusatz Ausrüstung für eine Übernachtung im Freien

Bei einer geplanten Übernachtung im Freien mit einem Zelt und Schlafsack ist noch einiges an zusätzlichem Gepäck notwendig, in diesen Fällen empfiehlt sich ein Trossfahrzeuge oder ein Packpferd.

Zelt Die modernen Zelte sind meist leicht und lassen sich einfach aufbauen.
Schlafsack Ein leichter Daunenschlafsack sollte immer gute Dienste leisten. Trotz allem sollte auch dieser vor dem Ritt einmal getestet werden, nicht das jeden Abend im Zelt friert und deshalb nicht schlafen könnt.
Iso-/Thermarest Matte Isomatten haben den Vorteil, dass ihnen nicht die Luft ausgehen kann, dafür sind sie beim Packen etwas starrer und voluminöser. Weicher und angenehmer beim Liegen ist eindeutig eine Thermarest Matte und aus dieser Sicht ist die Mitnahme eines zusätzlichen Reparaturset für die Termarestmatte die bessere Lösung.
Wanderreit-Elektrozaun In den großen Online-Reiter-Shops gibt verschiedene Wanderreiter-Weidezaun-Set zum Kauf.
Sonstiges Kocher, Geschirr, Essen & Trinken