Reiten in Oberberg

 

Wanderreittipps

MM-Redaktion am 02.02.2011

Planung des Wanderritts

Der beste Einstieg für Anfänger beim Wanderreiten ist sicherlich ein Rundritt vom eigenen Stall aus der auch wieder am eigenen Stall endet, er sollte beim ersten Mal nicht länger als 2-3 Tage sein. Vorteil sind hierbei das man keinen Pferdehänger benötigt und eine Planung leichter ist, meist kennt man zumindest einen Teil der Strecke schon.

Für erfahrene Reiter, die Mobil sind und über einen Pferdehänger verfügen, sind die Möglichkeiten vielseitig auch hier kann der heimische Stall Ziel oder Ausgangspunkt sein, aber auch ein Ritt von A nach B in Gegend nach Wunsch sind planbar. 
Mona im Pferdehänger

Wichtig für den Wanderritt ist immer eine stimmige Gruppe dies betrifft sowohl die Reiter wie die Pferde (z.B.: Ganggeschwindigkeit).  Gerade bei Wanderreitneulingen sollte die Gruppe nicht zu groß sein (2-4 Reiter), dies erleichtert auch die Quartiersuche.

Vor der Planung sollte auch klar sein ob Ihr fester Quartieren - mit Vollversorgung - buchen wollt oder lieben im Freien kampiert. Eine Erleichterung für den Gepäcktransport und auch für die Pferde ist ein Trossfahrzeug, das den Reitertrupp begleitet.

Jede Planung startet mit einer einfachen Straßenkarte der Region auf ihr werden die ungefähren Tagesziele festgelegt. Auf einer Straßenkarte lassen natürliche und künstliche Hindernisse (z.B.: Eisenbahnlinien, Autobahnen, größere Flüsse oder Gewässer), die evtl. umritten werden müssen,  leichter erkennen. Wenn es nicht der eigene Stall ist, kann auch ein Reitertreffen, Reiterfest oder auch der Reiterhof von Freunde und Bekannten ein gutes Ziel für einen Wanderritt seinen.

Nach der Festlegung des Ziels und der ungefähren Tagesziele erfolgt die weitere Planung mit einer topographischen Karte. Weitere Informationen zur optimalen Karten und zum Karten lesen allgemein findet in unserem Bereich „TucTuc’s Orientierungsseminar“. Auch das jeweilige Reitrecht solltet ihr bei Planung eines Wanderrittes immer beachten.

Hinweis:
Nicht nur das jedes Bundesland seine eigenen Regelungen zum Reiten in der freien Landschaft und im Wald hat, nein in unserem eigenen Bundesland können wir das sogar noch toppen. Im Allgemeinen gibt es eine Reitwegepflicht, jedoch hat jeder Kreis oder Stadt die Möglichkeit auf die Kennzeichnung spezieller Reitwege zu verzichten und wird damit zum sogenannten Freistellungsgebiet. Für einen Wanderritt sollten wir uns also einmal nach den allgemeinem Reitrecht des jeweiligen Bundeslandes erkundigen und in Nordrhein-Westfalen nach den Regelungen und Reitwegen der unterschiedlichen Kreise und Städte.

An dieser Stelle möchten wir auf unseren Artikel „Allgemeines Reitrecht und Reitregelungen in den angrenzenden Kreisen" in der Rubrik „TucTuc’s Orientierungsseminar“ hinweisen mit Informationen zu den Regelungen der Bundesländer und den direkten Nachbarkreisen und -städten. Für die Reitregelungen in NRW sind die Internetseiten der Kreise und Städte immer eine hervorragende Quelle, normalerweise sind die Informationen zum Reitrecht und Reitwegenetz in den Bereichen „Umwelt“ oder „Untere Landschaftbehörde“ zu finden. Als Suchbegriffe hilft „Reiten“ oder „Reitwege“, aber auch „Reitkennzeichen“ oder „Reitabgabe“ führen oft zu einem Ergebnis.

Folgende Regeln solltet ihr bei der Tourenplanung beachten:
  • Die Strecke muss immer der Leistung der Reiter und Pferde angepasst sein. Wir richten uns hierbei immer nach dem schwächsten Mitglied der Gruppe.
  • Eine Tagesetappe hat sich eine Streckenlänge von 25-30 km bewährt, sehr gebirgigen Regionen sollte die Strecke noch kürzer gewählt werden.
  • Besonders im Sommer sollte ausreichend Tränkemöglichkeiten – fließendes Wasser – auf der Strecke mit eingeplant werden.
  • Am dritten oder vierten Reittag sollte eine kurze Etappe eingelegt werden oder evtl. sogar ein Ruhetag.
  • Grundsätzlich gilt lieber die Strecke etwas kürzer planen als zu lang, denn verreiten in einem unbekannten Gebiet kann selbst dem besten Kartenleser mal passieren.
  • Ein Paddock oder eine Wiese ist auf einem Wanderritt immer besser, da sich die Pferde besser bewegen und die Muskeln entspannen können. Neben Grass oder Rauhfutter sollten die Pferde auch Kraftfutter erhalten.
  • Ist ein geplantes Quartier auf Grund von natürlichen oder künstlichen Hindernissen oder fehlenden Reitwegen nur schlecht zu erreichen sollte die Planung überdacht werden und ein anderes Quartier gesucht werden.

Wanderrittplanung

Neben Fremdenverkehrsbüros bietet auch das Internet eine gute Möglichkeit nach Wanderreitquartiere zu finden. In einige Regionen haben sich die Wanderreitstationen zu Projekten (z.B.: Eifel oder Hunsrück zu Pferd) zusammen geschlossen und bieten Internetseiten mit ausgiebigen Informationen zu den einzelnen Stationen. Vorteil sind bei diesen Projekten ist meist auch eine neutrale Überprüfung der Quartiere nach bestimmten Kriterien. Gute Suchbegriffe im Internet sind die Worte „zu Pferd“ und „Wanderreitstation“.

Weitere Tipps zu Streckenplanung findet ihr auf in unserem Artikel „Tourenplanung“ im Bereich „TucTuc’s Orientierungsseminar“.

Nach der Tourenplanung und der Buchung der Reitquartiere folgt der nächste Schritt die Vorbereitung für den Wanderritt.

Vorbereitungen für den Ritt

Eine der wichtigsten Aufgaben in der Vorbereitung zu einem Wanderritt ist das Training der Pferde. Am Ende müssen die Pferd 2/3 der geplanten Tagesstrecke ohne Probleme gehen und am Ende noch fit sein, die zusätzlichen 1/3 auf dem Wanderritt sind dann kein Problem mehr.

Wanderritt

Auch die Ausrüstung für Reiter und Pferd sollte im vor hinein geplant und zusammengestellt werden.  Ein Grundsatz gilt für alle Kleidung uns Ausrüstungsgegenstände, die ihr mit auf den Wanderritt nehmen wollt, niemals mit ungewohnter und neuer Kleidung/Ausrüstung für Reiter und Pferd auf die Strecke gehen. Das heißt alle neuen Ausrüstungsgestände sollten eingetragen, eingeritten und ausprobiert werden.

Eine Packliste mit allen notwendigen Ausrüstungsgeständen für Reiter und Pferd und weiteren Informationen zu diesem Thema findet ihr in unserem Artikel „Packliste für Reiter und Pferd“.

Auch das Packen der Ausrüstung sollte bereits im vorhin einmal geübt werden, eine gute Gelegenheit die Pferde auch an das zusätzliche Gewicht  beim späteren Wanderritt zu gewönnen.

Etwas eine Woche vor dem Start solltet ihr noch einmal alle Quartiere anrufen und sich die Übernachtung bestätigen lassen. Es kann immer mal wieder Fehler unterlaufen und eine Station hat ihre Buchung vergessen, so besteht wenigstens noch gute Chance wieder alles in Ordnung zu bringen. Glaubt uns spätestens nachdem wir mal in einer Pension übernachten mussten, bei der die Wirtin bei jedem Dreckkrümmel  mit dem Augenbraun runzelte und uns am nächsten Morgen nach dem wir uns nach 20h noch gerührt haben angeguckt hat als wären wir Paris Hilton und ihr Party Gefolge wissen wir warum es besser ist sich die Buchung noch einmal bestätigen zu lassen.

Der Ritt

Bereits am Vortag zum Ritt sollte die Ausrüstung endgültig zusammen gesucht werden und gepackt werden, dass sorgt für die entsprechende Ruhe beim Packen als auch beim Start am nächsten Morgen.

Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen und die Pferde füttern, damit diese noch 2-3 Std. Zeit haben um zu verdauen bevor es auf den großen Ritt geht.

Sattel, Trensen und dann geht es los. Ein früher Start ist besonders bei warmen Wetter immer sinnvoll, Wanderreiten ist also nichts für Langschläfer.

Die wichtigste Gangart beim Wanderritt ist der Schritt, aber gegen kleinen Trab oder Galopp ist auf einem Wanderritt nichts einzuwenden.

Besteht eine Möglichkeit die Pferde an einem fließenden Gewässer trinken zu lassen, sollte diese genutzt werden und dem Pferd zumindest Wasser angeboten werden. Ebenso wichtig sind regelmäßige Marschpausen ca. alle 1-2 Stunden eine 10 Minütige Pause ist ein zu planen. Zusätzlich ist eine längere Mittagspause einzuplanen.

Stop beim Wanderritt

Froh sind die meisten Pferde auch, wenn ihr ihnen Aufgabe erleichtert und bei unangenehmen Teerstrecken absteigt und zu Fuß lauft.

Tipp:
Unbekannte Wege, neue Umgebung, neue Erfahrungen,… Wanderritte sind gerade für junge Pferde eine einmalige Möglichkeit neues zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Wichtig hierbei ist natürlich die richtige Mischung der Gruppe, auf ein unerfahrenes Pferd sollte mindestens ein oder am besten mehrere erfahrene Wanderreitpferde kommen. Auf der einen Seite färbt die Ruhe der erfahrenen Pferde auf das unerfahrene Pferd ab und im optimalen Fall kann das unerfahrene Pferd auch von den anderen noch etwas lernen.

Aus persönlicher Erfahrung können wir das für Jungpferde (ca. ab 6-8 Jahre) nur empfehlen. Sowohl Santana (erster Wanderritt mit … Jahren) und Santos (erster Wanderritt mit … Jahren), haben durch ihren ersten Wanderritt eine Menge gelernt. Von der allgemeinen Gelassenheit, über einen flotten und angenehmen Schritt bis zur Art mit neuen ungewohnten Erfahrungen umzugehen.

Auch bei der Ankunft am Etappenziel ist einiges zu beachten. Grundsätzlich geht das Wohl des Pferdes vor. Gerade bei einem langen heißen Tag können Hitzeschwellungen unter dem Sattel entstehen. Also nach dem Ritt erst einmal den Sattelgurt lösen und das Pferd noch einige Zeit stehen  bis es etwas abgekühlt ist und dann absatteln.

Achtet darauf, dass die Pferde trocken sind, die stark belasteten Rücken- und Schultermuskel sind umso empfindlicher. Pferde trocken reiben und falls notwendig noch eine Abschwitzdecke überziehen.

Kraftfutter sollten die Pferde erst nach ca. 2 Stunden erhalten, damit die Pferde wieder entspannt haben und in Ruhe verdauen können.

Nach dem Ritt

Mehrere anstrengende und aufregende Tage auf dem Pferd, das Ziel erreicht und dann geht es wieder zu Hause. Aber auch hier solltet ihr das Pferd nicht einfach in die Box oder auf Wiese stellen und euch erst einmal eine Woche von euren Anstrengungen erholen. Nein, damit eurer vierbeiniger Partner keinen Muskelkater oder gar noch schlimmer einen Kreuzverschlag bekommt, müsst ihr auch in den nächsten zwei Tagen nach dem Ritt eurer Pferd mit einem kleinen Entspannungsritt erfreuen.